Hubertus von Lüttich – ein missverstandener Schutzpatron

Hubertus von Lüttich, Schutzpatron der Jäger? Am 30. Mai jeden Jahres gedenken wir Christ*innen dem Todestag des heiligen Hubertus von Lüttich. Zu den Hubertusmessen, die ihm zu Ehren meist im November – zu Beginn der Jagdsaison – in zahlreichen Gemeinden stattfinden, versammeln sich viele Jäger*innen in den Kirchen, um den kirchlichen Segen für das Töten unserer Mitgeschöpfe zu erhalten. Warum die Ehrung der Jagd und Jäger dem Erbe des Heiligen Hubertus jedoch in keiner Weise gerecht wird, erfahren Sie hier.

Die Legende

Joachim Schäfer - Ökumenisches Heiligenlexikon
Joachim Schäfer – Ökumenisches Heiligenlexikon

Der Legende nach war Hubertus ein passionierter Jäger. Nachdem seine Frau unerwartet in den Wehen verstarb, fand er Zerstreuung und Befriedigung in der Jagd. Eines Tages beobachtete er einen imposanten Hirsch im Wald. Als er sich an ihn heranschlich, um ihn mit Pfeil und Bogen zu töten, erblickte er ein aufleuchtendes Kreuz zwischen dem prächtigen Geweih des Tieres. In diesem Moment verstand Hubertus das Unrecht seiner Taten. Er erkannte, dass jedes Geschöpf Gottesgeschöpf ist und dass es falsch ist, die eigenen Neigungen zum Maßstab des rechten Handelns zu machen. Als Zeichen der Demut vor Gott und seiner Schöpfung entsagte er der Jagd und fand Erfüllung im Gebet. Er erhielt die Priesterweihe, zog als Missionar umher und wurde schließlich Bischof von Lüttich.

Trotz dieser Überlieferung gilt der Heilige Hubertus von Lüttich heute paradoxerweise als Schutzpatron der Jäger und Schützenvereine. Dies scheint nahezu grotesk, bedenkt man, für wen es bei der Jagd tatsächlich um Leben und Tod geht.

Die Jagd ist unnötig und kontraproduktiv

Fuchsjagd-01-c-Sandro-und-Bianka-Pelli-www-schonzeit-fuer-fuechseBis heute wird die Jagd als „notwendiges Übel“ propagiert, um das Gleichgewicht der Schöpfung, das der Mensch durch sein gedankenloses Handeln zerstört hat, wiederherzustellen. Heutige wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen jedoch, dass die Jagd nicht dazu geeignet ist, Wildpopulationen dauerhaft zu regulieren, und sich vielmehr kontraproduktiv auf die Populationsentwicklung der Wildtiere auswirkt (1). Durch die intensive Bejagung sinkt die Lebenserwartung der Wildtiere drastisch und Familienverbände sowie Sozialstrukturen werden zerstört, was einen Anstieg der Geburtenrate zur Folge hat. Namhafte Wildtierbiologen wie Prof. Dr. Josef Reichholf vertreten zudem die Auffassung, dass sich die Bestände von waldbewohnenden Tierpopulationen ohne menschliches Zutun aufgrund von Umwelteinflüssen wie Witterung, Nahrungsverfügbarkeit oder Krankheiten selbst regulieren (2). Die Jagd ist nicht notwendig, sondern nur noch reaktionäres Übel. Vielmehr zerstört ein Eingriff in die Natur, wie er durch die Jagd geschieht, das natürliche Gleichgewicht.

Theologische Stimmen zur Jagd

Der Theologe und Pfarrer Dr. Ulrich Seidel antwortet in einem Interview der Kirchenzeitung „Der Sonntag“ auf die Frage, ob die Jagd überhaupt ein Anlass sei, einen Gottesdienst zu feiern, entschieden mit einem Nein:

„Die Jagd ist ein höchst umstrittenes Hobby. Soll dieser Waffengang, der Angst und Schrecken im Wald und Flur verbreitet, Anlass sein [sic!] Gott ins Spiel zu bringen? Was ist Großes dabei, auf Tiere zu schießen, die völlig wehrlos sind? […] Ein Gottesdienst dazu erscheint mir blasphemisch. […] Die Kirche sollte sich offiziell von solchen Veranstaltungen distanzieren.“ (3)

Was Sie tun können

Lädt Ihr/-e Pastor*in auch jährlich zur Hubertusmesse? Dann klären Sie Ihre Gemeinde über den Ursprung der Hubertusmesse auf und erläutern Sie die Dissonanz zwischen der Legende und ihrer heutigen Auslegung im Gottesdienst. Bitten Sie Ihre/n Pastor*in, keine Hubertusmessen zu veranstalten, die Jägern ein (kirchliches) Forum bieten, und stattdessen einen Gottesdienst für Umwelt, Mensch und Tier zu feiern. Lassen Sie uns im Sinne des Heiligen Hubertus einem gottgewandten Mann gedenken – und nicht seiner zuvor triebhaften Natur. Nicht das Töten und der Tod, sondern das Leben und Leben lassen unserer Mitgeschöpfe sollte im Mittelpunkt eines naturverbundenen Gottesdienstes stehen.

Weitere Informationen

Und Gott sprach: „Du sollst nicht jagen!“
Hintergrundwissen zur Jagd

 

Quellen

 

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