Allerheiligen. Allerseelen. Allertieren.

Allerheiligen, Allerseelen, Allertieren. Am 1. und 2. November jeden Jahres finden in der katholischen Kirche die Gedenk- und Trauertage Allerheiligen und Allerseelen statt. An diesen Tagen wird wortwörtlich aller Heiligen sowie Verstorbenen gedacht. Da es heutzutage üblich ist, die Traditionen der beiden Tage miteinander zu verbinden, spricht man auch von der katholischen Seelen- bzw. Trauerwoche. Ob nun Zufall oder Bestimmung: Der 1. November ist ebenfalls offizielles Datum des Weltvegantages. Ein Tag, an dem Millionen Unschuldiger gedacht wird, die täglich bewusst getötet werden: den Tieren.

Was genau bedeutet es eigentlich, heilig zu sein? Als heilig gilt in der katholischen Kirche, wer die christlichen Tugenden beherzigt und nach ihnen gelebt hat. Durch außergewöhnliche Taten oder auch Wunderhandlungen zählen Heilige als Vorbild der christlichen Lebensführung. Indem sie ihr Leben im Dienste Gottes geführt haben, wird ihnen nach ihrem Tod die göttliche Sphäre zuteil. Trotzdem waren Heilige zu ihren Lebzeiten nicht gänzlich frei von Sünde, denn sie waren Menschen wie Sie und ich.

Menschen wie Sie und ich
„Die Heiligen sind weder Übermenschen noch perfekt zur Welt gekommen. Sie sind wie wir, wie jeder von uns, sie sind Menschen, die, bevor sie die Herrlichkeit des Himmels erlangten, ein normales Leben geführt haben, mit Freuden und Schmerzen, Mühen und Hoffnungen“, so Papst Franziskus im Angelusgebet zu seinem ersten Hochfest Allerheiligen. (1) Das Geschenk der Taufe sei ein Erbe, das den Grundstein für dieses Privileg lege. Wer sein Leben im Dienste der Hilflosen lebt, der lebt im Dienste Gottes. „Niemals hassen, sondern den anderen, den Bedürftigsten dienen; beten und in der Freude leben; das ist der Weg der Heiligkeit!“ (2)

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Schweine sind sehr reinliche Tiere und verabscheuen Ausscheidungen auf ihren Schlaf- und Essplätzen. Foto: (c)PETA-D

Brüder und Schwestern
„Im Antlitz der kleinsten und am meisten verachteten Brüder und Schwestern haben sie das Antlitz Gottes gesehen, und jetzt betrachten sie ihn von Angesicht zu Angesicht in seiner glorreichen Schönheit.“ (3) Ob Franziskus seinem Namensgeber Franz von Assisi gedachte, als er diese Worte sprach, ist denkbar. War es doch der Heilige Franz von Assisi, der es pflegte, unsere Mitgeschöpfe – die Tiere – mit Bruder und Schwester anzusprechen. Was Millionen unserer Brüder und Schwestern täglich widerfährt, ist jedoch alles andere als geschwisterliche Fürsorge.

Das Leid, das niemand sehen möchte
Wir lassen zu, dass Tiere auf kleinstem Raum zusammengepfercht leben müssen und in ihren eigenen Exkrementen liegen, sich nicht bewegen können, nie das Tageslicht zu sehen bekommen oder frische Luft atmen dürfen. Kälbchen werden ihren Müttern unmittelbar nach der Geburt entrissen, damit sie nicht von ihrer eigenen Muttermilch trinken können. Männliche Küken werden nach dem Schlüpfen vergast oder gehäckselt, weil sie weder Eier legen noch gemästet werden können und somit „unwirtschaftlich“ für die Nahrungsmittelindustrie sind. Schweinen werden ohne den Einsatz von Schmerzmitteln die Hoden und der Ringelschwanz abgeschnitten, weil sie in dem engen und viel zu kleinen Stall zu Kannibalismus neigen. Wir haben gelernt, die Augen zu verschließen, damit wir das Ei zum Frühstück, den Milchkaffee im Büro und den Hackbraten am Sonntag ohne schlechtes Gewissen konsumieren können. Wir haben vergessen, unseren „Bedürftigsten“ zur Seite zu stehen und sie gleichzeitig zu unseren „meist verachteten Brüdern und Schwestern“ gemacht.

Nachdem sie direkt nach ihrer Geburt von ihren Müttern getrennt werden, werden Kälber meist in solchen kleinen Kästen eingesperrt. Foto: (c)PETA-D
Nachdem sie direkt nach ihrer Geburt von ihren Müttern getrennt werden, werden Kälber meist in solchen kleinen Kästen eingesperrt. Foto: (c)PETA-D

Lassen Sie uns anlässlich der bevorstehenden Gedenk- und Trauertage der Heiligen, all jener, die uns nahestanden, und jener, die uns immer noch zu fern sind, gedenken. Lassen Sie uns versuchen, der Heiligkeit in uns ein wenig näher zu kommen und unseren in Not geratenen Geschwistern zur Seite zu stehen. „Das Himmelreich nämlich ist für alle, […] die es verstehen, mit dem Leidenden zu leiden […]; die nicht gewalttätig sind, sondern barmherzig und sich bemühen, Stifter von Versöhnung und Frieden zu sein.“ (4)

Quellen
(1) Papst Franziskus (2013): Hochfest Allerheiligen. Angelus.
(2) Ebd.
(3) Ebd.
(4) Ebd.

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