„Ich alleine kann doch nichts bewirken“, sagt die halbe Welt.

Am 18. November, 11 Tage vor dem ersten Adventssonntag, feiert die evangelische Kirche den Buß- und Bettag. Der Buß- und Bettag soll Anlass dazu geben, unser Tun zu reflektieren und in der ehrlichen Auseinandersetzung mit unseren Fehlern zurück zu Gott zu finden. In einer Zeit, die von Umweltkatastrophen, Hunger, Krieg und Leid geprägt ist, nimmt dieser Tag einen bedeutenden Stellenwert ein. Unserer Beziehung zu unseren Mitgeschöpfen kommt diesbezüglich besondere Bedeutung zu, denn die Frage nach der Ursache unserer ökologischen Krise wird unweigerlich zu einer moralischen Frage: Rechtfertigt der Genuss von Fleisch, Milch und Eiern diese Konsequenzen?

Historischer Ursprung und gegenwärtige Bedeutung
Der Buß- und Bettag hat seinen Ursprung im Römischen Reich. In Zeiten der Not forderte man die Gemeinden zum intensiven Gebet und einer inneren Umkehr auf. Dementsprechend gab es mehrere Buß- und Bettage im Jahr, da diese immer temporär angesetzt wurden. Erst mit Ende des 19. Jahrhunderts wurde dieser auf einen Tag im Jahr festgelegt. Der Buß- und Bettag fällt seitdem immer auf den Mittwoch vor dem Ewigkeitssonntag, den letzten Sonntag im Kirchenjahr.

Das Wort Buße wird oftmals fälschlicherweise mit Begriffen wie Vergeltung oder Bestrafung assoziiert. Dies fasst die Bedeutung jedoch zu kurz: Es geht nicht um die rückwirkende Bestrafung schlechter Taten, sondern um ihre künftige Wiedergutmachung!

Zahlreiche Kirchengemeinden gehen mit gutem Beispiel voran und nutzen diesen Tag, um ökologische und gesellschaftliche Probleme zu thematisieren. Der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm kritisierte anlässlich des Buß- und Bettages 2011 das stetig wachsende Ungleichgewicht zwischen Armut und Wohlstand. (1) Die Gier nach mehr Wohlstand zerstöre unsere Schöpfung, aber nicht „das Niveau materiellen Wohlstands entscheidet darüber, ob wir ein erfülltes Leben haben, sondern das Niveau unseres menschlichen Wohlstandes.“ (2)

Veränderungen beginnen auf dem Teller! Foto: (c)PETA-D
Veränderungen beginnen auf dem Teller! Foto: (c)PETA-D

„Ich alleine kann doch nichts bewirken“, sagt die halbe Welt.
Wir sollten diesen Tag zum Anlass nehmen, in uns zu gehen und darüber nachzudenken, wie jeder Einzelne dazu beitragen kann, die Welt zu einem besseren Ort zu machen – für alle Lebewesen. Denn Menschlichkeit äußert sich nicht nur in den Beziehungen zu unseren Mitmenschen, sondern in unserem Verhältnis zum Leben überhaupt. „Wer Gott als den Schöpfer der Welt bekennt, kommt an dem Engagement für die Bewahrung der natürlichen Lebensgrundlagen nicht vorbei. […] Wir können sie [die Natur] nicht mehr nur als Sache betrachten, die allein unseren Interessen unterworfen ist. Wir können sie nicht einfach für unsere Zwecke ausbeuten“, so der bayerische Landesbischof. (3)

Die gute Nachricht: Jeder von uns kann seinen Beitrag leisten. Mit jeder Entscheidung, die wir treffen, mit jeder Handlung, die wir ausüben, und mit jedem Wort, das wir sprechen. Die schlechte Nachricht: Zu wenige machen Gebrauch davon, denn die intensive Auseinandersetzung mit der eigenen Person erfordert die Konfrontation mit unbequemen Wahrheiten, die nicht zuletzt in der Aufforderung zu Veränderungen von Gewohnheiten resultiert. Doch genau darum geht es am Buß- und Bettag!

Sie wissen nicht, wo Sie anfangen sollen? Genau hier.

Weitere Informationen
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Quellen
(1) Bedford-Strohm, Heinrich (2011): Predigt zum Buß- und Bettag. München. (Letzter Zugriff 05.11.2015).
(2) Ebd.
(3) Bedford-Strohm, Heinrich (2015): Die Natur als Schöpfung achten. (Letzter Zugriff: 05.11.2015).

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