Kommen Tiere in den Himmel?

Sicherlich haben Sie sich diese Frage auch schon einmal gestellt. Und die Antwort auf den Himmel ist theologisch vielschichtig. Denn ein Blick in die Bibel reicht nicht aus, um diese Frage angemessen beantworten zu können. Christen für Tiere hat recherchiert und stellen Ihnen im Folgenden einige theologische Positionen vor.

Haben Tiere eine Seele?

In der christlichen Tradition bedingt das ewige Leben vor allem eines: das Vorhandensein einer Seele. In der Theologie gibt es unterschiedliche Definitionen für den Begriff der Seele. Alttestamentlich bedeutete Seele „Lebensodem Gottes, der sowohl Mensch als auch Tiere beseelt.“ (1) Die Vorstellung, dass nur der Mensch eine Seele besäße, wurde unter anderem von Thomas von Aquin begründet. Der Kirchenlehrer postulierte, dass lediglich die Vernunftseele unsterblich sei, da nur sie das Vermögen hätte, ohne Körper weiter zu existieren. Vernunftbegabt sei, so Thomas, jedoch nur der Mensch – nicht jedoch das Tier!

Auch der Philosoph René Descartes bestätigte diese Annahme vier Jahrhunderte später. In seiner Lehre unterscheidet er zwischen körperlichem Sein – dem Leib – und der Vernunft, dem Sitz der Seele. Den Tieren sprach Descartes jedoch das Vorhandensein von Vernunft und somit auch einer Seele ab; über diese verfüge ausschließlich der Mensch. Dass Tiere durchaus Leid und Schmerzen empfinden können, war, obwohl Descartes dies nicht bestritt, irrelevant für den Umgang mit ihnen; als Maßstab für diesen galt einzig und allein das Vorhandensein einer Seele. Descartes Abhandlungen über die Seele haben das christliche Menschen- bzw. Tierbild stark geprägt. Die Kirche übernahm diese Vorstellung weitestgehend. Diese schimmert bis heute subtil in amtlichen Verlautbarungen hindurch, so z. B. im Katechismus der katholischen Kirche, der die Nutzung von Tieren für Nahrung, Bekleidung sowie zur Unterhaltung und medizinischen Forschung legitimiert.

Lamm_828948_original_clipdealer

Von Paulus zum Papst

Zwischenzeitlich hat sich innertheologisch jedoch einiges getan, was nicht zuletzt mit einer wichtigen biblischen „Neuentdeckung“ zusammenhängt. Denn kein Geringerer als der Apostel Paulus attestiert der gesamten Schöpfung in seinem Römerbrief, „dass [sie] bis zum heutigen Tag seufzt und in Geburtswehen liegt“ und „von der Sklaverei und Verlorenheit befreit werden [soll] zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes.“ (Röm 8,21-22) „Damit wird für die gesamte Schöpfung Gottes eine eschatologische Vollendung in Aussicht gestellt.“, so der Moraltheologe Kurt Remele. (2)

Auch der Moraltheologe Prof. Dr. Michael Rosenberger erklärt in seinem jüngst erschienenen Buch, dass Paulus „jede menschliche und nicht menschliche Kreatur unter das Kreuz Christi [stellt]: Im Leiden und Sterben, aber auch in der Hoffnung auf Auferstehung und Vollendung. Biblisch ist von der Genesis bist zu Paulus klar, dass die Tiere von Gott in die Erlösung einbezogen sind.“ (3)

Und auch Papst Franziskus sagt in seiner Enzyklika Laudato sí, dass „das ewige Leben […] ein miteinander erlebtes Staunen sein [wird], wo jedes Geschöpf in leuchtender Verklärung seinen Platz […] einnehmen wird. (4) „Alle (Geschöpfe) gehen mit uns und durch uns voran auf das gemeinsame Ziel zu, das Gott ist, in einer transzendenten Fülle, wo der auferstandene Christus alles umgreift und erleuchtet. Denn der Mensch, der mit Intelligenz und Liebe begabt ist und durch die Fülle Christi angezogen wird, ist berufen, alle Geschöpfe zu ihrem Schöpfer zurückzuführen.” (5)

Das Himmelreich ohne Tiere?

Die Vorstellung an ein ewiges Leben ohne unsere tierischen Mitgeschöpfe ist für Sie sicherlich genauso undenkbar wie für uns. Und vermutlich ist die Antwort auf die Frage, ob Tiere in den Himmel kommen, für die meisten von Ihnen genauso simpel wie für den Theologen und Gründer des Instituts für Theologische Zoologie, Rainer Hagencord: „Wohin denn sonst?“

Quellen

Durch die Nutzung dieser Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen