Von den Weisen und ihren Tieren

Von den Weisen und ihren Tieren – Am 6. Januar feiert das Christentum das Fest der Epiphanias, der Erscheinung des Herrn, im Volksmund jedoch meist bekannt als das Dreikönigsfest, der Dreikönigstag oder die „Heiligen drei Könige“, der Ankunft der Weisen aus dem Morgenland. Ursprünglich wurde an diesem Tag auch die Geburt Christi gefeiert, sie wurde jedoch im 5. Jahrhundert nach Christus auf den 25. Dezember verschoben, sodass beide Ereignisse, obwohl biblisch zusammengehörend, bis heute getrennt voneinander gefeiert werden.

Die Weisen und die Tiere
Wer eine Krippe zu Hause stehen hat, wird an diesem Tag drei weitere Figuren hinzustellen: die drei Sterndeuter, die uns unter den Namen Caspar, Melchior und Balthasar bekannt sind. Tatsächlich gibt die Bibel jedoch keinerlei Auskunft über Anzahl und Namen der Besucher. Die griechische Übersetzung erzählt nur davon, dass „Magoi apo anatolôn“ – Magier aus dem Osten – nach Betlehem ziehen. Der englische Benediktinermönch Beda Venerabilis (674–735) ordnete die Magier um 700 den drei damals bekannten Erdteilen zu. In den künstlerischen, teils ikonografischen Umsetzungen wurde Venerabilis Interpretation Rechnung getragen, indem die Weisen mit einem spezifischen Identitätsmerkmal dargestellt wurden: einem Tier. Caspar wurde als Vertreter Afrikas mit einem Kamel dargestellt, der europäische Melchior mit einem Pferd, und Balthasar, als Repräsentant des asiatischen Kontinents, mit einem Elefanten.

Krippenspiel-iStock_000059453362-c-nix418Ochs, Esel und das Jesuskind
Dass Tiere eine tragende Rolle für das Verständnis des Christentums spielen, zeigt sich auch mit Blick in den bethlehemitischen Stall: Dort stehen Ochs und Esel rechts und links neben der Jesuskrippe. Die Evangelien geben jedoch keinerlei Hinweise darauf, dass sich auch Tiere im Stall befanden, geschweige denn, dass es, wie bis heute angenommen, Ochs und Esel waren. Man vermutet, dass diese Darstellungen auf die sogenannten Apokryphen zurückgehen (Anmerkung der Redaktion: Bei den apokryphen Evangelien handelt es sich um Texte, die aus unterschiedlichen Gründen nicht in den offiziellen Kanon der Bibel aufgenommen wurden, weil ihre Aussagen u. a. im Widerspruch zu den religiösen Grundsätzen stehen). Dort heißt es, dass Maria das neugeborene Jesuskind in eine Ochsenkrippe legte und von Ochs und Esel angebetet wurde. Neben Maria und Josef waren also Tiere die ersten Zeugen dieses Ereignisses und Jesu erste Gefährten.

Tiere im Christentum: ein zentrales Motiv
Wer am 6. Januar den Blick über die nun vollständige Krippe wandern lässt, wird feststellen, dass Tiere durchweg ein zentrales Motiv darstellen. Da sind einerseits die Schafe, die mit den Hirten auf der Weide stehen, Ochs und Esel im Stall neben der Krippe und die Begleiter der drei Könige – Elefant, Pferd und Kamel. Die Tiere besitzen im Wesentlichen die Funktion, zur Identität der „Protagonisten“ beizutragen.

Dies hat sich bis heute nicht geändert: Unsere religiöse Identität ist nach wie vor durch unser Verhältnis zu unseren Mitgeschöpfen bestimmt. Was sich allerdings verändert hat, ist ihr Status: Sie sind, abgesehen von unseren „Haustieren“, nicht mehr geschätzter Begleiter und Gefährte, sondern landen zu Ostern, Sankt Martin oder Weihnachten auf unseren Tellern, werden mit dem Auftakt der Hubertusmessen unter dem kirchlichen Deckmantel gejagt und getötet oder müssen in durch den Katechismus legitimierten Tierversuchen Höllenqualen leiden.

Als Christen haben wir jedoch die Wahl, welches Verhältnis zu unseren Mitgeschöpfen Fundament unserer Identität sein soll. Und ist ein Verhältnis, dessen Grundlage die Achtung vor dem Leben ist, nicht genau das, was uns Menschen zu guten „Hirten“, zu guten Beschützern der Schöpfung und unserer Mitgeschöpfe macht?

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